Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht und Unternehmen sitzen in vielen Branchen wieder am längeren Hebel. Sie erhalten eine Vielzahl an Bewerbungen und für dich heißt das: es braucht mehr Durchhaltevermögen und eine mehrmonatige Bewerbungsphase ist keine Seltenheit.
Ich sehe täglich in meiner Arbeit als Karriereberaterin: Es sind oft kleine Stellschrauben, die den Unterschied machen – zwischen einer Absage und dem Interview.
Hier sind die wichtigsten Hebel, an denen du im ersten Schritt drehen kannst, durch meine persönliche Recruiting-Brille.
1. Optimierung der Bewerbungsunterlagen: Finde ich was ich suche?
Dein Lebenslauf muss in wenigen Sekunden Interesse wecken und einladen, weiter zu erforschen.
Mach es der Person, die den CV liest, einfach: Klare Struktur, leicht zu erfassen.
Less is more: ein sehr langer und detaillierter CV kann schwerer zu erfassen sein. Klare, präzise Beschreibung und Nutzung von Bullet Points statt ganzer Text-Blöcke ist empfehlenswert.
ATS-Optimierung: achte darauf, relevante Qualifkationen sichtbar zu machen und Keywords im CV zu platzieren.
Analysiere Stellenausschreibungen und zeig im Lebenslauf, in welcher Form du die gefragte Erfahrung mitbringst.
Fragen die du beispielsweise beantworten kannst:
- Welche Projekte hast du umgesetzt?
- Wo hast du gefragte Technologien eingesetzt?
- Über welche Ergebnisse / Erfolge kannst du berichten?
- Was hast du als Führungskraft bewirkt?
- Wie ist dein Team zusammen gesetzt?
- Wo hast du deinen Bereich gestaltet oder Ideen eingebracht?
- Wie hoch ist das Budget das du verwaltest?
Hast du „Lücken“ im Lebenslauf? Die gehören zum Leben und machen dich vielleicht sogar interessant. Wenn du möchtest, kannst du auch diese anführen, etwa Reisen zur Horizonterweiterung, Weiterbildung zur beruflichen Weiterentwicklung, Care Arbeit um die Familie zu unterstützen (und ganz nebenbei Leadership Kompetenzen zu trainieren).
Diese persönlichen Informationen musst du nicht sichtbar machen, allerdings finde ich Klarheit besser als Interpretationsspielraum.
2. Kein „One-Size-Fits-All“-Motivationsschreiben!
Wird das überhaupt gelesen? Das fragen sich viele. Und meine Antwort darauf lautet: für manche Menschen ist es irrelevant, für andere besonders interessant.
Wenn dir der Job wichtig ist: passe dein Motivationsschreiben an die Stelle an und beantworte diese Fragen:
- Warum bist du die richtige Person für diese Stelle?
- Welche Kompetenzen zeichnen dich aus?
- Was bringst du in die Stelle ein?
- Was interessiert dich an diesem Unternehmen bzw. der Branche?
- Was treibt dich an?
Diese Fragen sind eine gute Reflexion und Vorbereitung für ein Interview. Nutze einen interessanten Einstieg, um zum Weiterlesen zu motivieren.
Lass dich gerne von KI inspirieren, aber achte darauf, dein persönliches Wording zu verwenden. Also frag dich am Ende: würde ich so sprechen? Klingt das nach mir? Authentizität ist auch hier wichtiger als der perfekte Aufbau.
3. Fokus statt Masse oder: Qualität über Quantität
Je länger die Jobsuche dauert, umso verlockender wird es, sich sehr breit zu bewerben. Das ist völlig verständlich.
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass wenige gezielte und gut vorbereitete Bewerbungen mehr Erfolg bringen als viele Bewerbungen ohne klares Ziel.
4. Hol dir Unterstützung!
Nach einigen Monaten des Bewerbens empfehle ich auf jeden Fall, dir eine Sparring Partner*in zu suchen. Manchmal sind es nur kleine Veränderungen, die Großes bewirken können.
Ein*e Mentor*in, Karriereberater*in, Expert*in kann durch ihre eigene persönliche „Brille“ auf deine Unterlagen schauen und dir vielleicht blinde Flecken aufzeigen.
Vielleicht ist es nur eine Schraube, die das Tor ins Unternehmen öffnet.
Mir persönlich war als Recruiterin immer wichtig, neben der Qualifikation auch eine kleine Idee dafür zu bekommen, was die Bewerber*in ausmacht. Who are you? Das interessierte mich immer besonders. Authentizität schlägt Perfektion.
Den Recruiting-Hut hab ich vor einigen Jahren abgelegt. Heute begleite ich Menschen als Karriereberaterin und Coach in persönlichen und beruflichen Umbruchsphasen. Und doch schlägt in mir heute noch ein Recruitnig-Herz, daher:
🔄 Zum Abschluss ein Perspektivenwechsel: Ich verstehe, wie herausfordernd lange Bewerbungsphasen sein können und wie frustrierend standardisierte Absagen sind. Aber auch Recruiter*innen senden ungern Absagen und tun ihr Bestes. Wenn eine Absage für dich gar nicht verständlich ist, frage höflich nach Feedback. Wenn es die Ressourcen erlauben, wird die Ansprechperson auch bereit sein, zu unterstützen.

